Claude Fable 5 Update: Amazon, China und die Zukunft der EU
Ein Warnanruf von Andy Jassy zwingt Anthropic zur Abschaltung. Auch ein möglicher China-Hack besorgt die US-Regierung.

Ein Telefonat von Amazon-Chef Andy Jassy mit der US-Regierung hat die weltweite Abschaltung der KI-Modelle Fable 5 und Mythos ausgelöst. Neue Berichte enthüllen einen potenziellen Zugriff Chinas auf die Technologie und weitreichende Konsequenzen für europäische Unternehmen.
Ein folgenschwerer Alarmruf aus Seattle
Der Auslöser für das Exportverbot von Fable 5 und Mythos war ein direkter Hinweis von Amazon. Dessen Vorstandsvorsitzender Andy Jassy informierte US-Finanzminister Scott Bessent über eine Entdeckung konzerneigener Forscher. Diese hatten Fable 5 mit gezielten Eingaben dazu gebracht, Sicherheitslücken in mindestens vier Softwareprogrammen offenzulegen.
Das Weiße Haus berief daraufhin Sicherheitsexperten ein, um die Befunde zu prüfen. Noch am selben Tag unterschrieb Präsident Trump eine Anordnung, die Nicht-US-Bürgern den Zugriff auf Fable 5 und das Spitzenmodell Mythos untersagt. Da die Exportbeschränkung auch ausländische Forscher innerhalb von Anthropic von der Arbeit ausschloss, schaltete das Unternehmen beide KI-Modelle weltweit vollständig ab. Anthropic widersprach dieser Darstellung und betonte, die gefundenen Schwachstellen seien simpel und weit von einem echten Jailbreak entfernt gewesen.
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Verdacht auf Spionage aus Peking
Die US-Sicherheitsbedenken reichen offenbar weiter als die bekannten Softwaretests. Nach Informationen des Nachrichtenportals Semafor besteht der Verdacht, dass eine mit China verbundene Gruppe Zugriff auf Mythos erlangt haben könnte. Wie genau dieser Zugriff erfolgte, ist unklar.
Bei einem erfolgreichen Abgreifen der Modelldaten könnten staatliche Akteure versuchen, Mythos mittels Destillation zu kopieren oder nachzubauen. Für die USA birgt das ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Ein Sprecher von Anthropic erklärte, dass die US-Behörden in den gemeinsamen Gesprächen keine Vorwürfe bezüglich China erhoben hätten. Der Zugriff auf die Produkte sei aus China ohnehin technisch gesperrt.
Europa diskutiert über digitale Souveränität
In Europa sorgt die plötzliche Abschaltung für erhebliche Unruhe, da hiesige Unternehmen die KI-Modelle zur Sicherheitsanalyse nutzten. Die Europäische Kommission prüft die praktischen Auswirkungen der US-Anordnung. Kommissionssprecher Thomas Regnier erklärte, Notfallmaßnahmen dürften nicht diskriminierend gegenüber Partnern sein.
Der Vorfall beschleunigt die europäische Debatte über die Abhängigkeit von US-Technologie. Thorsten Holz vom Max-Planck-Institut für Sicherheit und Privatsphäre nennt es bemerkenswert, dass ein ausländischer Verwaltungsakt ein KI-Modell über Nacht für alle Nicht-US-Bürger abschalten kann. Gitta Kutyniok von der LMU München fordert einen »Airbus-Moment« für die europäische KI durch gemeinsame Investitionen in Foundation-Modelle und Halbleiterdesign.
Andere Experten verweisen auf strukturelle Defizite. Jonas Geiping vom ELLIS Institut Tübingen betont, dass es an großflächigen Rechenzentren fehle und die deutsche Stromerzeugung stagniere. Eine dauerhafte Einschränkung bedroht eingespielte Wirtschaftsprozesse, die ohne diese KI-Modelle nicht mehr funktionieren.