Das KI-Unternehmen Anthropic zeigt in einem neuen Prognosemodell die wirtschaftlichen Folgen von Künstlicher Intelligenz bis ins Jahr 2030. Der Scenario Explorer rechnet vor, wie die Technologie das Wirtschaftswachstum antreibt und gleichzeitig klassische Wissensarbeiter verdrängen könnte.
Szenarien von moderat bis extrem
Das interaktive Prognosemodell basiert auf der Studie »Economic Scenarios for Transformative AI«. Forscher um den Ökonomen Anton Korinek zerlegten dafür die amerikanische Wirtschaft in Millionen einzelne Arbeitsschritte. Sie analysierten, welche dieser Aufgaben künftig beschleunigt, vollständig übernommen oder neu erschaffen werden.
Nutzer können in dem Explorer eigene Annahmen testen, während Anthropic drei Zukünfte skizziert. Im moderaten Fall wirkt der technologische Wandel ähnlich auf die Wirtschaft wie einst das Internet. Das Wachstum bleibt im bekannten historischen Rahmen.
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Verlierer am Schreibtisch
Deutlicher wird der Wandel im substanziellen Szenario, in dem die KI bis 2030 rund die Hälfte aller kognitiven Aufgaben übernimmt. Die Wirtschaft wächst doppelt so schnell wie gewohnt und handwerkliche Berufe profitieren von steigender Nachfrage. Die Einkommen der Büroarbeiter stagnieren hingegen.
Ein tiefer Einschnitt droht im extremen Szenario durch Modelle, die sich selbstständig weiterentwickeln. Sie erledigen nahezu alle geistigen Arbeiten besser als der Mensch. Das Bruttoinlandsprodukt der USA steigt dadurch auf über 44 Billionen US-Dollar an und wächst jährlich um 15 Prozent.
Verteilung des Wohlstands
Dieser Reichtum verteilt sich allerdings ungleich. Die Arbeitslosigkeit unter den betroffenen Berufsgruppen klettert auf fast 18 Prozent. Ihre Löhne fallen um mehr als zehn Prozent.
Gleichzeitig verschiebt sich die grundsätzliche Verteilung des Geldes. Bisher fließen knapp 60 Prozent der Erträge an die Arbeitnehmer, doch im extremen Szenario kehrt sich dieses Verhältnis um. Das Kapital beansprucht dann fast 55 Prozent der Wirtschaftsleistung für sich.
Eine Umfrage unter 10.000 US-Amerikanern flankiert die Veröffentlichung. Die Antworten der meisten Befragten decken sich weitgehend mit dem substanziellen Szenario der Forscher.
