Nobelpreisträger warnen vor Industrieller Revolution 2.0
Über 200 Forscher fordern sofortige Maßnahmen der Politik bezüglich KI. Die Veränderungen könnten bald die Industrialisierung übertreffen.

Über 200 Ökonomen und KI-Forscher rufen Politik und Wirtschaft zum Handeln auf. In einem gemeinsamen Statement warnen sie vor wirtschaftlichen Veränderungen durch künstliche Intelligenz, die historische Dimensionen erreichen könnten.
Wandel in kurzer Zeit
Das vom Stanford Digital Economy Lab koordinierte Papier trägt den Titel »We Must Act Now«. Künstliche Intelligenz könnte in den kommenden zehn Jahren deutlich leistungsfähiger werden, betonen die Verfasser. Das könne einen wirtschaftlichen Umbruch auslösen, der die Industrialisierung übertreffe, sich aber in einem viel kürzeren Zeitraum abspiele. Um KI-Systeme in gesellschaftlich nützliche Bahnen zu lenken, fordern die Wissenschaftler rechtzeitige Anreize und neue Institutionen.
Unter den mehr als 200 Unterzeichnern finden sich 16 Nobelpreisträger, darunter Daron Acemoglu, Joseph Stiglitz und Paul Krugman. Auch Vertreter großer KI-Unternehmen unterstützen den Aufruf. Auf der Liste stehen Jeff Dean von Google, Anthropic-Mitgründer Jack Clark sowie Noam Brown und Sarah Friar von OpenAI.
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Forscher fahren im Nebel
Die Ökonomen warnen vor dem Verlust zahlreicher Arbeitsplätze, sehen aber auch mögliche Gewinne beim allgemeinen Lebensstandard. Sie formulieren diese Aussichten durchgehend im Konjunktiv. Konkrete politische Maßnahmen oder Zeitpläne enthält das Statement nicht. »Wir fahren im Nebel, und es ist außerordentlich schwierig vorherzusehen, was als Nächstes passiert«, fasst Forscher Tom Cunningham von der Organisation METR die Unsicherheit zusammen.
Führende Köpfe der KI-Branche bewerten die aktuellen Auswirkungen zurückhaltender. OpenAI-Chef Sam Altman erklärte am Wochenende, er sei sich ziemlich sicher, dass künstliche Intelligenz bisher netto mehr Arbeitsplätze geschaffen habe. Anthropic-CEO Dario Amodei ordnet die Technologie aktuell eher als Produktivitätsmultiplikator ein. Ein grundlegendes Problem für verlässliche Aussagen ist das Fehlen etablierter Messmethoden. Forscher können einen möglichen Produktivitätszuwachs durch KI aktuell kaum in Zahlen fassen.
DeepMind-Chef Demis Hassabis greift dagegen zu größeren Vergleichen. Die Ankunft einer generellen künstlichen Intelligenz entspreche der zehnfachen Industrialisierung bei zehnfacher Geschwindigkeit, erklärte er kürzlich. Ein solches System könne in den nächsten fünf Jahren entstehen. Das aktuelle Statement der Forscher hat Hassabis nicht unterzeichnet.