Ein großer Andrang vor einem Jobcenter

Stehlen KIs unsere Jobs? Die Antwort der Anthropic-Forscher überrascht

Eine neue Datenanalyse belegt, dass künstliche Intelligenz aktuell nicht zu mehr Arbeitslosigkeit führt. Unternehmen stellen aber vorsichtiger ein.

Andreas Becker Nano Banana
Ein großer Andrang vor einem Jobcenter

Eine aktuelle Studie von Anthropic belegt, dass künstliche Intelligenz bisher nicht zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit führt. Die Analyse untersucht die Arbeitsmarktdaten seit der Einführung moderner Sprachmodelle und zeigt stattdessen schleichende Veränderungen bei Neueinstellungen.

Arbeitslosenquote bleibt stabil

Seit Ende 2022 befürchten viele Angestellte, durch künstliche Intelligenz ersetzt zu werden. Die nun vorgelegten Daten zeichnen ein beruhigendes Bild für den aktuellen Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote bei Personen in Berufen mit hoher KI-Exposition zeigt keine signifikanten Auffälligkeiten im Vergleich zum restlichen Arbeitsmarkt.

Sie verläuft nahezu parallel zur Quote von Beschäftigten, deren Jobs keine Berührungspunkte mit der Technologie aufweisen. Ein messbarer Anstieg der Entlassungen bleibt bisher komplett aus.

Selbst nach dem Start bekannter Sprachmodelle veränderte sich die statistische Differenz zwischen den Gruppen kaum. Die Befürchtung eines plötzlichen Jobverlustes für Millionen von Menschen lässt sich anhand der Zahlen derzeit nicht bestätigen.

Quelle: Anthropic

Dennoch reagiert der Markt bereits auf einer subtileren Ebene. Die Forscher registrieren einen messbaren Rückgang bei den Neueinstellungen in den stark betroffenen Berufen. Firmen scheinen offene Stellen in diesen Abteilungen seltener oder zögerlicher neu zu besetzen, was auf eine beginnende strukturelle Anpassung der Unternehmen hindeutet.

Quelle: Anthropic
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Gut bezahlte Büroberufe im Fokus

Die Studie identifiziert klare demografische und berufliche Muster bei den exponierten Arbeitnehmern. Die am stärksten von der Technologie berührten Berufe umfassen Computerprogrammierer mit einer beobachteten Exposition von knapp 75 Prozent. Direkt dahinter folgen Kundendienstmitarbeiter sowie Spezialisten für die Datenerfassung und die Pflege von Krankenakten.

Quelle: Anthropic

Diese Beschäftigten unterscheiden sich stark von der Vergleichsgruppe ohne KI-Berührungspunkte. Sie verfügen deutlich häufiger über einen Bachelor- oder Masterabschluss. Auch finanziell stehen sie besser da: Sie verdienen im Durchschnitt 32,69 US-Dollar pro Stunde. Das sind gut zehn Dollar mehr als in unbeeinflussten Berufsfeldern. Zudem ist der Anteil von Frauen in diesen Berufen mit über 54 Prozent vergleichsweise hoch.

Auffällig ist in den Daten eine große Diskrepanz zwischen dem, was die Modelle theoretisch leisten können, und dem tatsächlichen Einsatz in den Betrieben. Während die theoretische Leistungsfähigkeit in Bereichen wie dem Management oder dem Finanzwesen sehr hoch eingestuft wird, liegt die beobachtete Anwendung in der Praxis oft spürbar darunter. Aktive Nutzer der Modelle wie Claude stammen jedoch zu 68 Prozent genau aus den stark exponierten Berufsgruppen.

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Gedämpftes Wachstum für die Zukunft

Auch wenn akute Kündigungswellen derzeit ausbleiben, deuten offizielle US-Prognosen auf langfristige Verschiebungen in der Arbeitswelt hin.

Die Daten des Arbeitsministeriums zeigen für den Zeitraum bis zum Jahr 2034 eine klare Tendenz. Berufsbilder mit hoher KI-Exposition weisen ein deutlich geringeres prognostiziertes Beschäftigungswachstum auf. Während handwerkliche Berufe wie Elektriker oder Berufe im Gesundheitswesen ein starkes Wachstum erwarten lassen und gleichzeitig eine Exposition von null aufweisen, stagnieren betroffene Bereiche wie der Kundenservice zusehends.

Quelle: Anthropic

Der Arbeitsmarkt adaptiert die neuen technologischen Möglichkeiten offenbar durch eine allmähliche Umgestaltung der bestehenden Strukturen. Anstatt erfahrene Angestellte zu entlassen, wachsen die betroffenen Abteilungen in den Unternehmen in den kommenden Jahren schlichtweg langsamer.

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