Musk, Amodei und Altman: Beste Feinde
Von gemeinsamen Anfängen über offene Rivalität bis zum neuen Schulterschluss gegen denselben Gegner.

Einst arbeiteten Elon Musk und Dario Amodei bei OpenAI zusammen, bevor beide im Streit mit Sam Altman gingen. Nach heftigen öffentlichen Anfeindungen schließen die ehemaligen Rivalen nun einen milliardenschweren Vertrag für gigantische Rechenleistung.
Die gemeinsamen Wurzeln in San Francisco
Im Jahr 2015 riefen Elon Musk und Sam Altman das Projekt OpenAI ins Leben. Dario Amodei stieß nur ein Jahr später als Forscher zu dem Team. Er trieb die Architektur früher KI-Modelle auf technischer Ebene entscheidend voran. Anfänglich einte die kleine Gruppe das ambitionierte Ziel, künstliche Intelligenz verantwortungsvoll zu steuern. Niemand ahnte damals, dass sich aus dieser Konstellation die größten Rivalitäten der modernen Tech-Industrie formen würden.
Schnell traten hinter verschlossenen Türen tiefe Risse in der Führungsriege zutage. Ideologische Differenzen über die kommerzielle Ausrichtung und den künftigen Umgang mit potenzieller AGI spalteten das Team fortlaufend. Die Vorstellungen über Sicherheit, Open Source Ansätze und Profit drifteten unaufhaltsam auseinander.
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Getrennte Wege nach harten Konflikten
Elon Musk zog bereits 2018 drastische Konsequenzen und verließ den Aufsichtsrat. Er kritisierte Altmans wachsende Fokussierung auf finanzielle Gewinne scharf. Die Situation verschlechterte sich über die Jahre derart, dass Musk sein ehemaliges Projekt heute sogar vor einem Bundesgericht verklagt. Er wirft der Spitze einen kompletten Verrat der ursprünglichen Ziele vor.
Dario Amodei durchlebte eine ganz ähnliche Desillusionierung. Ende 2020 verschärften sich die internen Machtkämpfe um die Ausrichtung der Sicherheitsforschung. Amodei lehnte Altmans aggressiven Kurs zur schnellen Vermarktung ab. Er verließ OpenAI kurze Zeit später und gründete 2021 mit engen Vertrauten das Konkurrenzunternehmen Anthropic.
Obwohl beide Aussteiger völlig unterschiedliche Visionen verfolgten, behielten sie Sam Altman als prägenden gemeinsamen Gegenspieler. Diese geteilte Abneigung reichte allerdings lange Zeit nicht aus, um die tiefen Gräben zwischen Musk und Amodei zu überbrücken.
Öffentliche Anfeindungen auf offener Bühne
Die Beziehung zwischen dem SpaceX-Chef und dem Anthropic-Gründer blieb über Jahre extrem angespannt. Noch im Februar dieses Jahres attackierte Musk das Entwicklerstudio auf der Plattform X ohne Zurückhaltung. Er bezeichnete die Macher der Claude-KI unverblümt als »evil« und warf ihnen eine feindliche Haltung gegenüber der westlichen Welt vor.
Solche verbalen Scharmützel prägten das Verhältnis anhaltend. Als Amodei kürzlich über ein mögliches Bewusstsein von fortschrittlichen KI-Modellen philosophierte, wies Musk diese Gedanken lapidar als reine Projektion zurück. Die beiden Tech-Größen schienen sowohl ideologisch als auch persönlich meilenweit voneinander entfernt zu sein.
Pragmatismus entscheidet den Hardware-Wettbewerb
Heute zwingt die blanke physikalische Notwendigkeit die einstigen Streithähne wieder an einen Tisch. Anthropic stößt beim Prompting und bei komplexen Reasoning-Aufgaben von Millionen Nutzern regelmäßig an harte technische Grenzen. Das Unternehmen benötigt verzweifelt Rechenleistung, um gigantische Mengen an Token schnell zu verarbeiten.
Genau diese seltene Hardware liefert Musk nun. Sein Konzern vermietet die Kapazitäten des riesigen Supercomputers Colossus 1 an Amodeis Firma. Der Vertrag spült schätzungsweise vier Milliarden US-Dollar in Musks Kassen und lastet die Anlage endlich profitabel aus. Anthropic sichert sich im Gegenzug über 220.000 Nvidia-GPUs für das Training der nächsten Generation.
Die ehemals verfeindeten Gründer beweisen mit diesem Abkommen kühle wirtschaftliche Weitsicht. Die pure Notwendigkeit riesiger Rechenzentren formt völlig unerwartete Zweckbündnisse, welche die alten Konflikte aus den Anfangstagen von OpenAI überlagern.