Darum lachen Teenager über das Social-Media-Verbot in Australien
Die Regierung droht mit Millionenstrafen für die Plattformen. Doch für Jugendliche ändert sich beim Surfen absolut nichts.

Rund drei Monate nach dem Start des weltweit ersten Social-Media-Verbots für Unter-16-Jährige in Australien registrieren Forscher kaum Verhaltensänderungen. Jugendliche umgehen die schwachen Alterskontrollen von Instagram oder TikTok mühelos mit erfundenen Profilen.
Alterskontrollen ohne echte Nachweise
Eine im »British Medical Journal« veröffentlichte Studie dokumentiert das Nutzungsverhalten von 408 Jugendlichen vor und nach dem Inkrafttreten des Gesetzes Ende 2025. Mehr als 85 Prozent der Unter-16-Jährigen greifen weiterhin auf die gesperrten Plattformen zu. Über die Hälfte nutzt dafür problemlos das eigene Konto.
Die gesetzlich geforderten Alterskontrollen setzen die Anbieter bislang kaum strikt um. Zwei Drittel der Befragten durchliefen zwar eine Verifikation. Meistens genügte dafür eine einfache Altersangabe oder ein Selfie. Nur fünf Prozent der 12- und 13-Jährigen mussten tatsächlich ein Ausweisdokument vorlegen.
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Nutzungsdauer bleibt stabil
Fehlen Prüfmechanismen, weichen Nutzer auf simple Methoden aus. Zwischen 15 und 19 Prozent der Jugendlichen verwenden Fake-Profile. Andere nutzen Konten von älteren Personen. Technische Verschleierungen wie VPN-Verbindungen spielen mit drei Prozent kaum eine Rolle.
Auch die Nutzungsdauer bricht nicht ein. Bei den 12- bis 13-Jährigen messen die Forscher keine Veränderung der täglichen Social-Media-Zeit. In der Altersgruppe der 14- bis 15-Jährigen sank der Anteil der täglichen Nutzer leicht von 78 auf 69 Prozent. Bei den über 16-Jährigen, die das Gesetz nicht betrifft, stieg die Nutzung im gleichen Zeitraum an.
Testlauf für Europa
Das australische Vorgehen liefert erste Praxisdaten für ähnliche Gesetzesvorhaben. Länder wie Großbritannien planen aktuell vergleichbare Zugangsbeschränkungen. In Deutschland sprach sich eine vom Familienministerium eingesetzte Expertenkommission am Mittwoch gegen pauschale Verbote aus. Sie empfiehlt eine Mindestaltersgrenze von 13 Jahren oder Einschränkungen spezieller Funktionen.
Australische Behörden prüfen inzwischen die mangelhafte Umsetzung der Alterskontrollen durch die Plattformbetreiber. Das Gesetz sieht bei Verstößen Geldstrafen von bis zu 49,5 Millionen Australischen Dollar für die Unternehmen vor.