Datenschutz-Risiko? OpenAI trainiert mit echten Firmendaten
Für den Traum von AGI sollen Auftragnehmer sensible Dokumente aus alten Jobs nutzen. Geht der Konzern zu weit?

OpenAI fordert externe Auftragnehmer auf, echte Arbeitsdokumente aus früheren Jobs hochzuladen. Dieser Schritt markiert eine entscheidende Phase in der Entwicklung autonomer KI-Agenten, die komplexe berufliche Aufgaben eigenständig lösen und den Weg zur AGI ebnen sollen.
Vom Chatbot zum autonomen Mitarbeiter
OpenAI verlässt die Ebene rein generierter oder öffentlicher Trainingsdaten und setzt verstärkt auf Realität. Externe Fachkräfte laden derzeit Präsentationen, komplexe Tabellenkalkulationen und interne PDF-Dokumente aus ihrer vergangenen Berufspraxis hoch. Das Unternehmen benötigt dieses Material, um die nächste Generation von KI-Modellen an authentischen Szenarien zu schulen.
Das Ziel ist das Training spezialisierter KI-Agenten, die nicht nur Texte verfassen, sondern echte Arbeitsprozesse simulieren. Die Modelle sollen lernen, wie Menschen komplexe, oft unstrukturierte Aufgaben im Unternehmenskontext bewältigen. Es findet eine klare Verschiebung statt: Weg vom reinen Dialogpartner, hin zum digitalen Angestellten, der Aufträge autonom abarbeitet.
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Training mit realen Wirtschaftsabläufen
Nach dem Upload der Dokumente weisen die Auftragnehmer die KI an, die ursprünglich mit diesen Dateien verbundenen Aufgaben auszuführen. Anschließend bewerten die menschlichen Experten, wie präzise, logisch und nützlich die Ergebnisse der Software im Vergleich zur menschlichen Leistung ausfallen.
Es geht dabei nicht mehr um simple Frage-Antwort-Szenarien, wie sie von ChatGPT bekannt sind. Die Systeme müssen logische Schlussfolgerungen ziehen und mehrstufige Prozesse verstehen, die bisher menschliche Kognition erforderten. Die KI muss beispielsweise aus einer Bilanz Strategien ableiten oder aus technischen Spezifikationen einen Projektplan erstellen.
Der nächste Schritt zur allgemeinen künstlichen Intelligenz
Diese Methodik unterstreicht OpenAIs Ambition, eine Artificial General Intelligence (AGI) zu entwickeln. Solche Systeme sollen in der Lage sein, jede intellektuelle Aufgabe zu erfüllen, die auch ein Mensch erledigen kann. Experten sehen in der Fähigkeit, reale "White-Collar"-Arbeit zu verrichten, den ultimativen Test für diese Technologie.
Durch die Konfrontation mit echten Daten aus der Wirtschaft lernt die KI, mit der Unvorhersehbarkeit des Arbeitsalltags umzugehen. Dies gilt als Nadelöhr für den breiten Einsatz autonomer Agenten in Unternehmen. Rein synthetische Daten reichen offenbar nicht mehr aus, um die Modelle auf das nächste Leistungsniveau zu heben.
Herausforderung Datenschutz und Sicherheit
Die Verwendung authentischer Geschäftsunterlagen aus der Vergangenheit der Auftragnehmer wirft Fragen zum Umgang mit sensiblen Informationen auf. Die Prozesse erfordern, dass Auftragnehmer genau abwägen, welche Daten sie teilen, um keine Vertraulichkeitsvereinbarungen alter Arbeitgeber zu verletzen.
OpenAI geht diesen Weg bewusst, um eine mögliche Stagnation bei der Leistungsfähigkeit der Modelle zu überwinden. Echte Daten gelten in der Branche als der entscheidende Rohstoff für den nächsten Qualitätssprung. Wer den Sprung zum funktionierenden Agenten zuerst schafft, sichert sich den entscheidenden Wettbewerbsvorteil im Jahr 2026.