Christopher Nolan warnt vor KI als Trojanisches Pferd
Der Hollywood-Regisseur lobt die wachsende Skepsis der jüngeren Generation gegenüber künstlicher Intelligenz ausdrücklich.

Der Regisseur Christopher Nolan hält künstliche Intelligenz für eine offensichtliche Bedrohung. In einem aktuellen Interview vergleicht er sie mit einem gläsernen Trojanischen Pferd, bei dem jeder die lauernde Gefahr im Inneren bereits erkennen könne.
Skepsis statt blindem Vertrauen
Nolan dominiert derzeit mit »The Odyssey« die Kinocharts. Im Gespräch mit dem französischen Interviewer Hugo Travers zog der Filmemacher eine Parallele zwischen der griechischen Mythologie seines Epos und der aktuellen Technikdebatte. Travers fragte, ob KI wie das legendäre Holzpferd zunächst als willkommene Gabe erscheine, um sich später als zerstörerisch zu entpuppen.
Nolan lachte: »Ich glaube, KI ist ein Trojanisches Pferd, bei dem jeder weiß, dass die Griechen darin stecken.«
Den deutlichen Widerstand gegen KI sieht er positiv. Er habe noch nie erlebt, dass eine Neuerung derart schnell von der Öffentlichkeit abgelehnt werde.
Vor allem junge Menschen würden generierte Online-Videos sofort als »AI slop« abtun und aussortieren. Das sei eine sehr gesunde Haltung. Wer das Beste aus einer Technologie herausholen wolle, müsse die Motive der Anbieter hinterfragen, anstatt ihnen blind zu vertrauen.
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Analoger Film als Gegenentwurf
Nolan bezeichnet sich selbst nicht als Technikfeind, sondern als Technologie-Skeptiker. Er nutze zwar Neuerungen, kritisiert aber die Art der Vermarktung.
Häufig würden neue Produkte auf Kosten funktionierender und bewährter Systeme in den Markt gedrückt. Das habe er in der eigenen Branche erlebt, als der klassische Analogfilm beinahe komplett verdrängt wurde.
Seinen neuen Film mit Stars wie Matt Damon, Anne Hathaway und Tom Holland drehte er deshalb konsequent auf analogem 70-Millimeter-Imax-Film. Das bedeutete einen enormen logistischen Aufwand.
Die Filmcrew musste die schweren Kameras auf alten Segelschiffen einsetzen und für leise Dialogszenen aufwendig dämmen. Ein Magazinwechsel musste laut Nolan dabei wie bei einem Formel-1-Boxenstopp ablaufen, um die Schauspieler nicht aus dem Konzept zu bringen.
Gewerkschaft schützt Regisseure
Die grundsätzliche Skepsis des Filmemachers deckt sich mit der Stimmung in Hollywood. Künstliche Intelligenz war bereits einer der zentralen Streitpunkte während der langen Arbeitskämpfe der Autoren und Schauspieler im Jahr 2023.
Die US-Regisseurgewerkschaft DGA hat unter Nolans Präsidentschaft ebenfalls reagiert. In ihrem jüngsten Tarifvertrag verankerte die Organisation konkrete Schutzmaßnahmen gegen den ungefragten Einsatz von KI.