Ein KI Medikamenten Labor

Nvidia und Eli Lilly: Das 1-Milliarden-Dollar-Projekt der neuen Medizin

Der Chip-Gigant und der Pharma-Riese bauen das fortschrittlichste Forschungszentrum für digitale Medikamentenentwicklung.

Andreas Becker Nano Banana
Ein KI Medikamenten Labor

Die Verschmelzung von Big Tech und Big Pharma erreicht einen neuen Höhepunkt. Am heutigen Montag gaben Nvidia und Eli Lilly im Rahmen der J.P. Morgan Healthcare Conference bekannt, ein gemeinsames "AI Co-Innovation Lab" zu gründen. Das Ziel ist ambitioniert: Die traditionell langwierige und kostenintensive Entdeckung neuer Wirkstoffe soll durch den massiven Einsatz von generativer KI und modernster Rechenleistung verkürzt werden. Beide Unternehmen planen, über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt eine Milliarde Dollar in dieses Projekt zu investieren.

Das Ende der Zufallsfunde

Die Pharmaindustrie steht seit Jahren vor dem Problem steigender Entwicklungskosten bei sinkenden Erfolgsquoten. Das neue Labor soll diesen Trend umkehren. Anstatt sich auf langwierige "Trial-and-Error"-Verfahren im Reagenzglas zu verlassen, setzt die Kooperation auf die Simulation biologischer Prozesse.

Eli Lilly bringt dabei seine riesigen Datensätze aus der klinischen Forschung und biologischen Chemie ein. Nvidia liefert die notwendige Rechenpower und die technologische Infrastruktur. Im Zentrum steht dabei die Skalierung sogenannter Foundation Models – KI-Modelle, die auf riesigen Datenmengen trainiert wurden und auf verschiedene Aufgaben anpassbar sind – speziell für die Molekularbiologie. Experten erwarten, dass diese Modelle komplexe Wechselwirkungen im menschlichen Körper vorhersagen können, bevor ein physisches Experiment überhaupt stattfindet.

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BioNeMo und die digitale Biologie

Technologisches Herzstück der Zusammenarbeit ist Nvidias BioNeMo-Plattform. Diese Softwareumgebung ermöglicht es Forschern, generative KI-Modelle für die Wirkstofffindung zu entwickeln, anzupassen und bereitzustellen. BioNeMo fungiert hierbei als Übersetzer zwischen der Sprache der Biologie (DNA, RNA, Proteine) und der Sprache der Algorithmen.

Durch die Integration in die Forschungsprozesse von Eli Lilly soll die Plattform lernen, Strukturen von Proteinen nicht nur zu analysieren, sondern völlig neue Moleküle zu generieren, die passgenau an Krankheitserreger andocken. Dies könnte insbesondere bei der Bekämpfung bisher schwer therapierbarer Krankheiten neue Türen öffnen. Die heute angekündigte Partnerschaft hebt die Nutzung dieser Plattform von vereinzelten Pilotprojekten auf eine industrielle Ebene.

Der Aufstieg der „Physical AI“

Ein weiterer Schwerpunkt des neuen Labors liegt auf dem Konzept der „Physical AI“. Dieser Begriff beschreibt die Schnittstelle, an der digitale Intelligenz physische Roboter und Laborgeräte steuert. Das Ziel ist ein weitgehend autonomes Labor, in dem KI-Systeme nicht nur Hypothesen aufstellen, sondern auch direkt die entsprechenden Experimente durch Roboter durchführen lassen.

Die Ergebnisse dieser automatisierten Tests fließen in Echtzeit zurück in das KI-Modell, welches daraufhin seine Vorhersagen korrigiert und verfeinert. Dieser geschlossene Kreislauf eliminiert menschliche Wartezeiten und ermöglicht einen 24-Stunden-Forschungsbetrieb. Neben Eli Lilly gaben auch andere Akteure wie Natera und CytoReason heute Kooperationen mit Nvidia bekannt, doch die finanzielle Dimension der Allianz mit Eli Lilly setzt ein deutliches Signal für die gesamte Branche.

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