Andrej Karpathy: Vom KI-Agenten Kritiker zum Nutzer
Der Ex-OpenAI-Experte programmiert kaum noch selbst und übernimmt stattdessen die Rolle des Managers für smarte KI-Agenten.

Andrej Karpathy galt lange als mahnende Stimme, wenn es um KI-Agenten ging. Jetzt vollzieht der prominente KI-Forscher eine Kehrtwende und schreibt den Großteil seines Codes nicht mehr selbst, sondern verlässt sich auf "Vibe Coding" mit KI-Agenten.
Vom Skeptiker zum Manager
Lange Zeit warnte der ehemalige OpenAI- und Tesla-Experte davor, KI-Agenten zu viel Autonomie zu gewähren. Die Modelle seien zu fehleranfällig für komplexe Aufgaben ohne menschliche Aufsicht. Doch im Januar 2026 zeichnet Karpathy ein neues Bild der Realität: Er selbst schreibe kaum noch klassischen Code.
Stattdessen übernehmen KI-Tools rund 80 Prozent der Schreibarbeit. Seine Rolle hat sich vom Programmierer zum "Manager" gewandelt, der die Ergebnisse der KI überwacht und steuert. Diese Erkenntnis markiert einen Wendepunkt, da selbst skeptische Experten nun die Effizienz der neuen Agenten-Workflows anerkennen.
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A few random notes from claude coding quite a bit last few weeks.
— Andrej Karpathy (@karpathy) January 26, 2026
Coding workflow. Given the latest lift in LLM coding capability, like many others I rapidly went from about 80% manual+autocomplete coding and 20% agents in November to 80% agent coding and 20% edits+touchups in…
Das Phänomen "Vibe Coding"
Karpathy prägte den Begriff "Vibe Coding" bereits im Vorjahr, doch erst jetzt erreicht die Methode den Massenmarkt. Dabei geht es nicht mehr um korrekte Syntax oder das Auswendiglernen von Bibliotheken. Der Entwickler gibt in natürlicher Sprache vor, was das Programm tun soll, und achtet nur noch darauf, ob das Ergebnis "sich richtig anfühlt" und funktioniert.
Der Fokus verschiebt sich radikal: Das Schreiben von Code wird unwichtig, das Lesen und Verifizieren von Code wird zur Kernkompetenz. Wer die Logik nicht prüfen kann, läuft Gefahr, fehlerhafte Software zu produzieren. Doch für erfahrene Entwickler wirkt die KI wie ein Multiplikator der eigenen Produktivität.
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Der Kampf der KI-Editoren
Möglich machen dies neue Werkzeuge, die weit über die einfache Autovervollständigung hinausgehen. Während GitHub Copilot den Anfang machte, dominieren 2026 spezialisierte Editoren wie Cursor und Windsurf den Markt. Diese Tools verstehen nicht nur die aktuelle Datei, sondern den gesamten Kontext eines Projekts.
Windsurf, entwickelt von Codeium, und der Editor Cursor liefern sich dabei ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Sie erlauben es Nutzern, ganze Features per Chat-Befehl umzusetzen. Auch Microsoft integriert diese tiefen Agenten-Funktionen mittlerweile direkt, nachdem Claude Code von Anthropic vorgelegt hatte.
Flut an neuen Apps
Die gesunkene Einstiegshürde zeigt bereits Folgen in den App-Stores. Analysten beobachten einen sprunghaften Anstieg neuer iOS-Anwendungen, da auch technisch weniger versierte Gründer ihre Ideen nun per "Vibe" in funktionierende Software verwandeln.
Kritiker warnen zwar vor unsauberem Code im Hintergrund, doch die Geschwindigkeit der Entwicklung ist unbestreitbar. Für deutsche Entwickler bedeutet dies: Wer sich nicht auf die Rolle des Code-Reviewers und Architekten einlässt, riskiert den Anschluss zu verlieren.