Anthropics Claude hat in 64 Stunden Hunderttausende Proteinbinder gegen gefährliche Skorpiongifte entworfen. Labore prüften 211 ausgewählte Kandidaten, von denen 17 die festgelegten Kriterien erfüllten und an vier Neurotoxine banden. Ein fertiges Gegengift ist damit aber noch nicht entstanden.
318.484 Entwürfe, 17 Treffer
Das interne Forschungsmodell arbeitete zunächst 24 Stunden selbstständig und erhielt danach vier weitere Anweisungen. Es nutzte zwölf Programme, erzeugte 318.484 Proteinentwürfe und untersuchte 553.052 Kombinationen aus Design und Gift. Claude wählte 180 Kandidaten für Labortests aus, 31 weitere kamen mit seiner Hilfe hinzu.
Adaptyv Bio und Twist Bioscience produzierten und testeten die 211 Proteine mit unterschiedlichen Verfahren. Als Treffer zählte nur ein Entwurf, der in den Wiederholungen zuverlässig band, eine Bindungsstärke von höchstens einem Mikromol erreichte und nicht am menschlichen Kontrollprotein CLEC12A hängen blieb.
Sieben Binder trafen das Gift Cn2 des mexikanischen Skorpions Centruroides noxius. Je vier banden an AaH I und AaH II, zwei weitere an LqhIII. Die stärksten Kandidaten Cn2-B1 und Cn2-B2 erreichten Bindungsstärken im einstelligen Nanomolbereich. Sie besetzen wahrscheinlich dieselbe Stelle wie ein Antikörper, der Cn2 in Mäusen neutralisierte.
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Der Schritt zum Gegengift fehlt noch
Claude sollte auch Proteine entwerfen, die mehrere der fünf untersuchten Neurotoxine zugleich binden. Dieser Teil scheiterte. Keiner der dafür entwickelten Kandidaten erfüllte die Kriterien für mehr als ein Gift.
Auch die 17 Treffer wurden bislang weder an lebenden Zellen noch an Tieren auf eine neutralisierende Wirkung geprüft. Vor einem möglichen Medikament müssen Forscher zeigen, dass die Binder echtes Skorpiongift blockieren, sicher bleiben und sich bezahlbar herstellen lassen. Anthropic stellt alle 211 Entwürfe samt Messdaten öffentlich bereit.
