Anthropic stellt Entwicklern heute fertige Architektur-Blueprints für KI-Agenten im Onlinehandel zur Verfügung. Mit den neuen Referenz-Implementierungen für das Modell Claude verzeichnen erste Händler laut Herstellerangaben bis zu 35 Prozent größere Warenkörbe.
Ein Agent statt vieler Spezialisten
Beim Architekturdesign verabschiedet sich Anthropic von der Idee, für jede Aufgabe einen eigenen Sub-Agenten einzusetzen. Stattdessen nutzt das Unternehmen einen einzigen Claude-Agenten, der je nach Situation bestimmte Fähigkeiten, sogenannte Skills, lädt. Das verhindert Kontextverluste bei der Datenübergabe zwischen verschiedenen Modellen und senkt die Wartezeiten für den Nutzer.
Quelle: Anthropic
Anthropic rät Entwicklern, die Systembefehle dabei nach ihrer Häufigkeit aufzuteilen.
Aufgaben, die in mehr als einem Drittel der Sitzungen vorkommen, wie etwa die Produktsuche, landen direkt im System-Prompt. Spezifischere Funktionen werden als externe Skills nur bei Bedarf geladen. Sub-Agenten kommen nur noch bei eng abgegrenzten Rechercheaufgaben zum Einsatz, die ein komplett eigenes Kontextfenster benötigen.
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UI-Elemente als Tools
Die Agenten geben ihre Antworten im Handel häufig nicht als Fließtext, sondern als Benutzeroberflächen wie Produktkarussells oder Sitzpläne aus. Dafür behandelt Claude UI-Komponenten als aufrufbare Tools. Das Modell sendet strukturierte Daten, die der Server validiert und an den Client zur Darstellung weiterreicht. Das beschleunigt die Anzeige, da einzelne Elemente bereits während der Generierung auf dem Bildschirm erscheinen.
Um die Kosten für API-Aufrufe zu drücken, rät Anthropic zum Prompt-Caching. Da sich große Teile des System-Prompts zwischen den Käufern nicht ändern, lassen sich diese zwischenspeichern. Bei hohen Zugriffszahlen im E-Commerce erreichen Händler so Cache-Trefferquoten von über 90 Prozent.
Quelle: Anthropic
Datenbank schlägt Modell-Gedächtnis
Nutzerdaten und Vorlieben speichert der Agent nicht im eigenen Kontext, sondern in einer klassischen Datenbank. Ein separater Hintergrundprozess wertet die Unterhaltungen aus und aktualisiert die Datensätze asynchron. So bleibt der Hauptagent entlastet und datenschutzrechtliche Vorgaben lassen sich leichter umsetzen.
Bei Zahlungen und Händler-Einstellungen hat die KI grundsätzlich nicht das letzte Wort. Claude darf in der Referenzarchitektur Änderungen nur vorschlagen. Die eigentliche Freigabe von Rabatten oder die finale Bestellabwicklung erfolgt weiterhin durch Code-Prüfungen auf dem Server und händische Nutzer-Bestätigungen.
Der Code der beiden Agenten-Varianten steht auf GitHub sowie über Cloud-Plattformen wie Amazon Bedrock oder Google Cloud Vertex AI bereit.


