Microsoft finanziert ein Magazin, in dem Nobelpreisträger Daron Acemoglu den KI-Hype zerlegt. Der MIT-Ökonom erwartet keineswegs, dass KI folgenlos bleibt. Doch in den kommenden zehn Jahren dürfte sie nur rund fünf Prozent der menschlichen Arbeit ersetzen und das Bruttoinlandsprodukt lediglich um etwa 1,5 Prozent steigern.
KI fehlt in den Produktivitätszahlen
Acemoglu sieht beeindruckende Ergebnisse beim Programmieren oder in der Radiologie. Unter realen Bedingungen müssten Entwickler jedoch viel KI-Code korrigieren, während Ärzte ihre Erfahrung nicht sinnvoll mit den Anwendungen verbinden könnten. In vielen Unternehmen seien deshalb bislang kaum Produktivitätsgewinne angekommen.
Ganze Berufe zu automatisieren hält er auf absehbare Zeit für unrealistisch. Dafür müsste KI jede einzelne Aufgabe übernehmen, einschließlich Urteilsvermögen, sozialer Interaktion und körperlicher Arbeit. Frühere Vorhersagen vom Ende der Radiologen, Fahrer oder Buchhalter hätten sich ebenfalls nicht erfüllt.
Anzeige
Microsoft dient als warnendes Beispiel
Ausgerechnet Microsoft liefert Acemoglu ein Beispiel für seine These. Die Spracherkennung von Dragon erreichte bereits 1997 eine Trefferquote von rund 95 Prozent. Nach mehreren Übernahmen kaufte Microsoft 2022 den späteren Eigentümer Nuance.
Für Verbraucher sei Spracherkennung am PC heute trotzdem nur wenig besser als im Jahr 2000. Technischer Fortschritt allein verändere die Wirtschaft nicht. Es brauche passende Anwendungen, gute Vermarktung und Rückmeldungen der Nutzer.
Acemoglu fordert deshalb eine »Pro-Worker AI«, die Beschäftigte besser macht, statt sie nachzuahmen. Im Unterricht könnte sie etwa Lernprobleme erkennen und Lehrern helfen, Schüler gezielter zu fördern. Sein Forschungsteam erprobt bereits entsprechende Prototypen.
Die Kritik erscheint in der von Microsoft AI finanzierten »Humanist Review of AI«, die Microsoft-AI-Chef Mustafa Suleyman selbst beauftragt hat. Microsoft gibt Acemoglu damit eine Bühne für eine These, die weite Teile des aktuellen KI-Geschäfts komplett infrage stellt.
