Milliarden-Schwindel durch KI: Die dunkle Seite von Medvi
Das gefeierte Ein-Mann-Unternehmen nutzt gefälschte Ärzte und manipulierte Bilder für den Verkauf von Abnehmpräparaten.

Der angebliche Erfolg des ersten durch künstliche Intelligenz erschaffenen Milliarden-Unternehmens entpuppt sich als weitreichendes Täuschungsmanöver. Hinter dem Telemedizin-Anbieter Medvi stecken laut neuesten Recherchen keine brillanten Automatisierungen, sondern manipulierte Werbekampagnen, erfundene Ärzte und medizinisch fragwürdige Präparate.
Illusion statt Innovation
Medvi rühmt sich damit, im Jahr 2025 einen Umsatz von 400 Millionen US-Dollar erzielt zu haben und aktuell auf eine Bewertung von 1,8 Milliarden US-Dollar zuzusteuern. Die New York Times porträtierte das Ein-Mann-Projekt kürzlich noch als Vorzeigebild der neuen Technologie. Doch die Grundlage dieses schnellen Wachstums bilden systematisch gefälschte Kundenrezensionen und KI-generierte Inhalte.
Die Betreiber stahlen beispielsweise das Bild eines Reddit-Nutzers aus dem Jahr 2016. Mit einfachen Anpassungen machten sie daraus die fiktive Person »Michael P«, der dank Medvi angeblich 48 Pfund in fünf Monaten abgenommen habe. Selbst als diese Täuschung aufflog, tauschte das Unternehmen lediglich das Porträtfoto aus, behielt die frei erfundenen Gewichtsdaten jedoch bei.
Zusätzlich überflutet der Anbieter soziale Netzwerke mit Werbeanzeigen, in denen vermeintliche Mediziner für die Produkte werben. KI-generierte Videos zeigen Figuren wie eine »Dr. Sarah Martin«, die Abnehm-Produkte anpreisen. Echte Ärzte, deren Namen und Gesichter ungefragt auf der Webseite auftauchten, distanzierten sich bereits öffentlich und forderten die sofortige Löschung ihrer Identitäten.
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Warnbriefe und juristische Konsequenzen
Das Kerngeschäft des Startups umfasst den Verkauf von GLP-1-Abnehmpräparaten wie Tirzepatide. Medvi vertreibt diese Wirkstoffe in Tablettenform, was medizinisch stark umstritten ist. Der Originalhersteller Eli Lilly stellt klar, dass es für orales Tirzepatide keinerlei klinische Studien am Menschen gibt. Eine aktuelle kalifornische Sammelklage bezeichnet die vertriebenen Pillen daher als »pharmakologisch unwirksames Schlangenöl«.
Parallel bemängeln zahlreiche Kunden die Geschäftspraktiken. Berichte häufen sich über intransparente Abbuchungen von knapp 400 US-Dollar, ohne dass jemals Medikamente geliefert wurden. Versprochene Rückerstattungen bleiben demnach konsequent aus.
Mittlerweile rufen die Methoden auch die Behörden auf den Plan. Die US-Arzneimittelbehörde FDA verschickte einen offiziellen Warnbrief an das Unternehmen. Darin rügt die Behörde die falschen und irreführenden Behauptungen über die angebotenen Semaglutide- und Tirzepatide-Produkte. Die rechtliche und regulatorische Aufarbeitung des Falls nimmt damit gerade erst ihren Anfang.
Der erste Story auf unserer Seite dazu sah folgendermaßen aus: